Mein Name ist Renate Heinzig, ich bin seit über 10 Jahren Mitglied des Kirchhainer Künstlerkreises KKü und möchte erzählen, wie ich zum Malen
gekommen bin.
Als mein Mann vor 14 Jahren plötzlich und unerwartet verstarb, fiel ich in ein tiefes Tal der Trauer. Meine liebe Freundin Karin wollte mich wieder ins Leben
zurückholen, mir einen Weg zeigen:
Das leere Blatt Papier
„Geh doch mal mit mir zum Malen – nur dabei sein, raus aus deinem Zuhause, raus aus deinem Tief.“
Also fuhren wir gemeinsam nach Treisbach. Dort traf sich eine kleine Gruppe von sechs bis acht Personen bei Frau Leny Schellenberg de Kreij. Sie hatte Kunst studiert
und beherrschte alle Formen des Malens – Öl, Acryl, Wasserfarbe, Kreide.
Später erzählte sie mir, dass sie mich für ein neues Mitglied gehalten hatte.
Ohne viele Worte legte sie mir ein leeres Blatt Papier hin, stellte einen Hessenbembel vor mich und reichte mir ihre Pastellkreiden. Dann legte sie klassische Musik
auf, und um mich herum versanken alle in ihre Arbeiten.
Da saß ich nun vor dem leeren Blatt Papier!!!
Malen?
Um die Stille zu ertragen?
Das weiße Blatt,
ich,
die Farben,
und dass, was entstehen soll,
was entstehen wird?
Es erforderte eine tiefe, schöpferische Ruhe.
Die Welt und meine Sorgen blieben draußen.
Ich versank im Tun.
„Malen, um still zu werden.“
Diese Stille war wunderbar – und zugleich etwas, das ich zu Hause kaum ertragen konnte. Aber hier, in dieser kleinen Runde, fühlte sie sich nicht bedrohlich an,
sondern heilend.
Ich blieb dabei. Woche für Woche traf ich mich mit Karin für zwei Stunden in dieser besonderen Gemeinschaft, um zu malen, zu atmen, zu sein.
Mit der Zeit wurde aus dem wöchentlichen Malen mehr als nur ein Ausflug aus der Trauer.
Ich wurde Mitglied im KKü – und fand dort Menschen, die nicht nur Farben auf Papier brachten, sondern auch Wärme, Ideen und Zusammenhalt in mein Leben.
Wir organisierten Ausstellungen bei Familie Rhiel auf Kern’s Hob in Sindersfeld und in der VR-Bank in Kirchhain. Ich wirkte bei den Montagsmalern in Kirchhain
mit und ging weiter zu der Malgruppe in Treisbach.
Jede Begegnung, jedes gemeinsame Projekt erzählt eine kleine Geschichte von Vertrauen, von gegenseitiger Ermutigung, von dem Gefühl, wieder Teil einer lebendigen
Welt zu sein.
So entstanden nach und nach meine Bilder – jedes ein Schritt zurück ins Leben, jedes ein Schritt weiter zu meinem eigenen Stil. Und jedes trägt ein wenig von dem
Mut in sich, den es damals brauchte, vor diesem ersten leeren Blatt Papier zu sitzen.
(Kirchhain Aktiv 05.2026)
